21. Februar 2018, DerBlödeDritteMittwoch #73
20h30 @rhiz

Ulla Rauter (A) “Sound Calligraphy – Drawing a human voice” [konzert]
Alfredo Barsuglia mit Barbara Grahsl (A) “SPRACHEIST” [performance/installation]
Raumschiff Engelmayr: “SHABBY METAL RADIO RAP” [konzert]

Klangkalligraphien sind handgezeichnete und vertonte Sprachlaute. Ausgehend von Spektrogrammen gesprochener Wörter entsteht ein kalligraphisches Zeichensystem, das in einer Live-Performance vertont wird. Die Frequenzbilder von gesprochenn Worten werden zu Kalligraphien.
Bei der Vertonung der Handzeichnung werden Sprachlaute wahrnehmbar, der gemalte Klang wird zur künstlichen Stimme.
Neben dem poetisch-performativen Aspekt des”Stimmen-Zeichnens” wird der konstruierende Charakter des menschlichen Gehirns bei der Sprachwahrnehmung spürbar.

Ulla Rauter, geboren 1980 in Wiener Neustadt, studierte Transmediale Kunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Sie arbeitet als Medienkünstlerin und Musikerin
an der Schnittstelle von Klangkunst und Bildender Kunst – ihre Werke umfassen performative Skulpturen, musikalische Performances und selbstgebaute Instrumente.
Im Rahmen des ersten Ö1-Talentestipendiums erhielt sie 2008 einen Förderpreis, 2009 das Arbeitsstipendium des BMWF, 2011 das Startstipendium des BMUKK. 2010 gründete sie mit Christine Schörkhuber die jährliche Hörschau “Klangmanifeste”.
Seit 2013 ist sie Lehrbeauftragte an der Abteilung Digitale Kunst der Universität für Angewandte Kunst Wien.

SPRACHEIST
Alfredo Barsuglia zusammen mit Barbara Grahsl

In der Performance „Spracheist“ wird Sprache, abseits von Kommunikation thematisiert und die Wörter „Sprache“ und „ist“ bis zur Bedeutungslosigkeit zerlegt. Sprache als Konstrukt, als Ordnungssystem und Regelwerk, als abstrakter, nicht greifbarer Konsens.

Das zentrale Thema in Alfredo Barsuglias Arbeit ist die Reflexion von gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Wert- und Moralvorstellungen. Dabei versucht er stets die RezipientInnen in seine Arbeit einzubeziehen, um möglichst unmittelbar agieren zu können. Die Grenze zwischen Schein und Sein, zwischen Illusion und Realität ist ein Dreh- und Angelpunkt seines Werkes, weshalb es nicht überrascht, dass seine Arbeitsweise oftmals der eines Filmregisseurs, sprich eines Geschichtenerzählers gleicht.

Alfredo Barsuglia, geboren 1980 in Graz, lebt und arbeitet in Wien. Barsuglia war 2006 als MAK-Schindler Stipendiat in Los Angeles und erhielt 2007 den Kunstförderungspreis der Stadt Graz, 2013 den Theodor-Körner-Preis, 2015 den Kunstförderungspreis der Stadt Wien, 2016 den con-tempus Kunstförderungspreis des Landes Steiermark und 2017 das Staatsstipendium für bildende Kunst.

Barbara Grahsl, geboren in Wien, Ausbildung in Schauspiel, Gesang und Tanz an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Seit 2005 war sie als freischaffende Schauspielerin in Österreich, Deutschland und China, sowie im Film/TV und als Sprecherin tätig.


Vor gut zwei Jahrzehnten begann Manfred Engelmayr Musik zu produzieren, die sich auf der einen Seite zwischen Songwriting und Heavy Noise-Rock #, auf der anderen Seite zwischen Music Concrete und Minimal-Techno (die Mini-CD-Serie „Umweltgeräuscheplatten A-Z“ #) aufhielt.
Aus diesem Projekt wurde bald die international tourende Band „Bulbul“. Für seine weiteren Solo-Ambitionen entwickelte Engelmayr über die Jahre ein eigenständiges Konzept.

SHABBY METAL RADIO RAP
– ist verspielt und experimentell
– ist durchdacht, exakt und hat Struktur
– groovt, treibt, scheppert und macht Sinn.
– Ist ein Grätzl in Wien 2, gelegen zwischen Vogelgezwitscher und Hauptverkehrsader, Tennisplatzgestöhne und Plateauversteller, 40 und 120 dB, Wiese und Kanal, Cottage und Gemeindebau.

Auf seinem Album „Am Schüttel“ verwendet Raumschiff Engelmayr als einzigen Soundgenerator eine E-Gitarre, die er mit verschiedenen Alltags-Gegenständen präpariert und so in eine Art Drum-Machine verwandelt. Durch die spezielle Spielweise und die wohlüberlegte Platzierung der Objekte zwischen Saiten und Pick-Ups entstehen vielschichtige, rhythmische Tracks mit beträchtlichem Oberton- und Noise-Anteil.
Aufgenommen live in Single-Takes und ohne Sampling, Loops oder Overdub-Schichtungen produziert, entfalten die zehn Stücke in ihrer Unmittelbarkeit und rohen Homogenität ein erstaunlich umfangreiches Klangspektrum.
„Objets trouvés“ – gefundene Gegenstände – sind gewissermaßen auch die zwischen Deutsch und Oberösterreichisch gesungenen Lyrics – im Vorbeigehen von Vorbeigehern aufgeschnappte Wörter und Satzfragmente, um Lügen, Träume und Gedanken erweitert und verreimt.